HALF PAST FOUR aus Kanada lassen sich nicht gerne einschränken, beziehungsweise beschränken. Das interessante Quintett bestehend aus Gitarrist Constantin Necrasov, Basser Dimitry Lesov, Keyboarder Igor Kurtzmann, Drumerin Ann Brody und Goldkelchen Kyree Vibrant fabriziert auf Rabbit In The Vestibule einen abwechslungsreichen Mix aus klassischen Prog Rock und Artrock irgendwo zwischen GLASS HAMMER, THE SOURCE und etwas KING CRIMSON. Damit allein sind die Kompositionen aber noch nicht komplex genug, also wird munter die Verspieltheit des Jazz hinzugefügt, findet man Gefallen an Krautrock a lá FRUMPY und flechtet obendrein Latin Rhythmen und Perkussion hinein. Als Krönung grinst gegen Ende der über einstündigen Grenzsprengung noch FRANK ZAPPA um die Ecke (sehr schräg: "Dwayne" und " Bamboo") und lässt den Hörer dann einerseits kopfschüttelnd, aber auch mit der Gewissheit zurück, das diese Truppe den ursprünglichen Gedanken progressiver Musik nicht nur verinnerlicht, sondern es auch verstanden haben, daraus ein halbwegs passendes Ganzes zu basteln. Zwar fällt das Debüt aufgrund der enormen musikalischen Spannweite nicht unbedingt eingängig aus, ist stellenweise auch gewöhnungsbedürftig. Andererseits spinnt sích durch ausnahmslos alle dreizehn Stücke ein roter Faden. Der Grund hierfür liegt zum einen an der tollen Gesangsführung von Kyree Vibrant, die gekonnt zwischen Rockröhre, lasziver Diva und verrückter Henne pendelt, als auch an den erstklassigen technischen Fähigkeiten der Musiker und den komplexen als auch homogenen Songstrukturen. Trotzdem: Etwas schräg ist das Werk allemal. Hartgesottene Proger erhalten mit Rabbit In The Vestibule eine melodienprächtige wie farbenfrohe Wundertüte, "normal" Proginteressierte beißen sich daran wahrscheinlich die Zähne aus.
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